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Autorenlesung Befreiungsschlag

Schüler aus sieben Klassen blickten am Freitag, den 20.10.2017 gespannt auf die Bühne des Atriums der Realschule plus und FOS im Einrich, denn es hatte sich Besuch angekündigt. Der erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautor Stefan Gemmel und Uwe Zissener, unter anderem Sozialarbeiter und Antigewalt-Trainer, waren an die Schule gekommen, um den Schülern der 8. und 9. Klasse ihr gemeinsames Jugendbuch „Befreiungsschlag“ vorzustellen, das von den Schülern im Anschluss auch im Deutschunterricht gelesen wird.

 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde kamen die beiden Autoren auch gleich darauf zu sprechen, wie es zu dem Buch, bei dem es um ein richterlich angeordnetes Antigewalt-Training (AGT) geht, gekommen ist. Ein interessierter Jugendbuchautor und ein engagierter Antigewalt-Trainer (s.o.) treffen aufeinander und beschließen, gemeinsam ein Buch zu schreiben – und wenig später ist der Autor selbst Teilnehmer eines AGT, um hautnah mitzuerleben, worüber er dann später ein Buch schreiben wird. Stefan Gemmel gibt zu, mit der Erwartung, nur auf Hannibal Lectors und muskelbepackte, tätowierte Typen zu treffen, zu seinem ersten AGT gegangen zu sein. Doch er wurde positiv überrascht, denn die Teilnehmer seien alles „total nette Jungs“ gewesen. Nett, aber mit einer „Null-Bock-Einstellung“ seien die meisten Teilnehmer zum ersten Treffen erschienen, dabei ist das AGT für viele von ihnen die letzte Chance, einer Haftstrafe zu entgehen. Neben der verpflichtenden Teilnahme am AGT erhalten die Jugendlichen eine dreijährige Bewährungsstrafe und sind verpflichtet, Sozialstunden abzuleisten. Da die meisten der Teilnehmer keine Lust auf „Psychologengelaber und Sozialfuzzis“ haben, legen die Antigewalt-Trainer ihren Schwerpunkt zunächst auf Übungen, in denen die vorbestraften Jugendlichen ihr Handeln reflektieren und viel über die Auslöser ihres aggressiven Verhaltens lernen, die häufig schon Jahre zurückliegen. Auch mit unseren Schülern führten Stefan Gemmel und Uwe Zissener einige dieser Übungen durch, wodurch die Autorenlesung „sehr abwechslungsreich und mal was Anderes“ war, wie die Schüler der 9aM nach der Lesung meinten. Durch den Wechsel von Berichten aus dem „richtigen AGT“, Übungen und vorgelesenen Textstellen war diese Autorenlesung wirklich sehr gelungen und ansprechend für die Schüler, was sich durch ein sehr aufmerksames und interessiertes Publikum äußerte. Wichtig war es den beiden Autoren des Buches, auf die Entstehung von Gewalt hinzuweisen. Oft brodelt in einem „Schläger“ wie der Hauptfigur Maik schon seit Jahren etwas. Laut Uwe Zissener wird niemand, dem es gut geht, zum Schläger. Vielmehr sieht sich derjenige schon seit langer Zeit mit Problemen konfrontiert, die er nicht lösen kann, sodass er irgendwann „explodiert“. Häufig fehlen die richtigen Ansprechpartner oder einfach nur ein Freund, ein Lehrer, ein Verwandter, der die Situation erkennt und „da“ ist. Der einzig vernünftige Ausweg aus einer solchen Konfliktsituation ist es, die Konflikte zu bearbeiten, um Spannungen zu lösen und Gewalt zu vermeiden.  

Das Ziel von Uwe Zissener und Stefan Gemmel ist es, mit ihrem Buch junge Leute zu sensibilisieren und auch zu zeigen, dass das erfolgreiche Ableisten eines Antigewalt-Trainings Leben verändern kann. Unsere Schüler waren auf jeden Fall noch nachhaltig von der abwechslungsreichen Autorenlesung, die von Stella Eschenhof organisiert wurde, begeistert und freuen sich schon auf das Wiedersehen mit Uwe Zissener, der jeder Klasse noch einmal in Ruhe Rede und Antwort stehen wird. Zum Abschluss der Autorenlesung durfte sich jeder Schüler sein Exemplar von „Befreiungsschlag“ von den beiden Autoren signieren lassen. Da macht das Lesen doch direkt ein bisschen mehr Spaß.